Messianische Perspektiven

Was hat der Heilige Geist mit Weihnachten zu tun?

von Swen Schönheit

Der Heilige Geist hat es schwer in der Kirche. Irgendwie gehört er dazu und ist latent auch irgendwo präsent. Unsere Gottesdienste beginnen „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Wir glauben an einen dreieinigen Gott, taufen auf seinen Namen (Matthäus 28,19) und bekennen ihn im Glaubensbekenntnis mit einem „dritten Artikel“. Doch richtig spürbar ist sein „Windhauch“ (so eine Variante des hebräischen Wortes Ruach) in den wenigsten Gemeinden. Wenn er von bunten Kirchenfenstern in Gestalt einer Taube herabblickt, wirkt das bisweilen wie ein Vogel im Gehege: er ist schön anzusehen, darf etwas zwitschern, aber bitte nicht frei fliegen!

„Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, erfüllt mit deiner Gnaden Gut deiner Gläubigen Herz, Mut und Sinn …“ Meinen wir das wirklich so, wenn wir den alten Choral singen (EG 125)?

Wozu das Kirchenjahr uns verleiten kann

Regelmäßige Gottesdienstbesucher sind an das Kirchenjahr gewöhnt. Es gliedert das Jahr und orientiert sich an den großen Festen und Feiertagen, die im Wesentlichen mit der Geburt Jesu, seinem Leiden und Sterben, seiner Auferstehung und Himmelfahrt zu tun haben. Und dann ist da noch Pfingsten. Es wirkt wie ein Anhängsel, zumal im Frühjahr allen nach Ausflügen zumute ist. Pfingsten ist für den Heiligen Geist reserviert, doch nach meiner Beobachtung können selbst Insider oftmals kaum beschreiben, worin der Mehrwert seines Kommens liegt. Wie wird denn die „Kraft aus der Höhe“ unter uns erfahren (Lukas 24,49)?

Nein, der dreieinige Gott lässt sich nicht segmentieren. Und dem Heiligen Geist mit Pfingsten quasi einen Parkplatz zuzuweisen, reicht nicht aus. Er ist der erste Atem der Kirche, ja der Ursprung allen Lebens (vgl. Psalm 104,30; Jesaja 57,15). Und sein Wirken durchzieht die gesamte Bibel, von der ersten bis zur letzten Seite (1 Mose 1,2 bis Offenbarung 22,17). Ohne diesen roten Faden, diese Lebenslinie zerfällt uns die Heilige Schrift in ein Sammelsurium von Geboten und Geschichten.

Der Heilige Geist und die Heilige Nacht

Beim Lesen der Weihnachtsgeschichte nach Lukas fiel es mir auf: Kapitel 1-2 ist durchtränkt vom Wirken des Heiligen Geistes – also „Pfingsten zu Weihnachten“. Man kann Lukas durchaus als „Evangelisten des Geistes“ bezeichnen (hinzu kommt die Apostelgeschichte, wo der Geist fast 60-mal erwähnt wird). Schauen wir uns an, wie Gottes Geist mit der Ankunft des Messias hochaktiv wird (Lukas 1,15.34-35.40-45.67-79):

  • Johannes („der Täufer“) ist „schon im Mutterleib mit dem Heiligen Geist erfüllt“.
  • Sein Vater Zacharias verstummt vorübergehend, doch nach dessen Geburt wird er „mit dem Heiligen Geist erfüllt“ und spricht prophetische Worte aus.
  • Die junge Maria bekommt die Zusage: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“
  • Elisabeth, die mit Johannes schwanger ist, bekommt Besuch von Maria und wird „mit dem Geist erfüllt“. Dabei bricht sie in Jubel aus:
    „Das Kind hüpfte vor Freude in meinem Leib!“
  • Und nach der Geburt von Jesus kommt Simeon, ein prophetisch begabter alter Mann „auf Antrieb des Geistes“ in den Tempel. Dort trifft er Jesus mit seinen Eltern und prophezeit über ihnen. Damit erfüllt sich sein Lebensweg, denn „der Heilige Geist ruhte auf ihm, und durch den Heiligen Geist war ihm auch gezeigt worden“, er sollte noch zu seinen Lebzeiten den Messias sehen (Lukas 2,25-27).

All diese Menschen sind bereits bewegt vom Geist des Messias, noch bevor dieser auftritt. Sie werden Zeugen einer Geburt, die die Welt verändern sollte. Und das war erst der Anfang!

„Der Gesalbte“:
Jesus kommt in der Kraft des Geistes

Der erwachsene Jesus wird durch Johannes getauft und von Gott mit dem Heiligen Geist erfüllt (Lukas 3,21-22). In dieser Kraft geht er in seiner Heimatstadt Nazareth zum Gottesdienst, liest aus der Schriftrolle des Jesaja (Kap. 61) und legt sie aus: „Heute hat sich dieses Schriftwort erfüllt“ (Lukas 4,21). Ohne die Kraft des Heiligen Geistes wäre Jesus ein gewöhnlicher, sicherlich außergewöhnlicher Mensch geblieben. Doch der Heilige Geist bestätigt ihn als Gottes geliebten Sohn. Vom Geist „gesalbt“ (daher das Wort Messias / Christus) beginnen sich durch Jesus die alten Prophetenworte zu erfüllen.

Es ist kein Zufall, dass Jesus mit seiner öffentlichen Verkündigung genau hier ansetzt. Denn die Worte des Propheten Jesaja atmen in besonderer Weise den Geist des Messias. Wenn vom „Diener (Knecht)“ des Herrn die Rede ist, bleibt teilweise offen, ob damit Israel oder der kommende Messias-König gemeint ist.

  • „Seht meinen Diener, ich halte ihn, meinen Erwählten, an ihm habe ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, das Recht trägt er hinaus zu den Nationen“ (Jesaja 42,1).
  • „Auf ihm wird der Geist des HERRN ruhen, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist des Wissens und der Furcht des HERRN“ (Jesaja 11,2).
  • „Fürchte dich nicht, mein Diener Jakob, … den ich erwählt habe, denn über den Durstigen werde ich Wasser gießen … Meinen Geist werde ich ausgießen über deine Nachkommen“ (Jesaja 44,2-3).

Die prophetisch begabten Zeugen der Geburt Jesu haben diese Aussagen des Alten Bundes in ihren Lobgesängen aufgenommen (Lukas 1,52.79; Jesaja 9,1). Ihr Horizont war das verheißene Friedensreich des Messias und sie erkannten: Die Zeit ist erfüllt, „Gott hat sein Volk besucht“ (Lukas 1,68)!