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Alles aus eigener Kraft?

Warum Pfingsten die Energiewende bringt

von Swen Schönheit

Aufgewachsen bin ich in Berlin-Steglitz. Aus den Tagen meiner Kindheit stammt dieses originelle Foto, das mein Vater ca. 1960 gemacht hat: Ein Elektro-Bus (wie zeitgemäß damals!) hatte den Kontakt zur Oberleitung verloren und musste nun geschoben werden. Eine bemerkenswerte Havarie! Das Bild ist irgendwie tragikomisch, zugleich macht es mich nachdenklich: Es zeigt angestrengte Menschen. Es zeigt einen Bus, der nicht „in seiner Bestimmung“ ist. Ihm fehlt die Energiezufuhr „von oben“. Vielleicht ein Bild auch für unser Leben? Für unseren Glauben, für manche unserer Gemeinden, unsere Kirche?

Wir sind geschaffen für geistliche Versorgung „von oben“

Obwohl verschiedene Ideologien und Philosophien schon „das Ende der Religion“ postulierten, bleibt die Sehnsucht nach einem Anschluss an die „obere Welt“. Wir Menschen sind eben nicht nur materielle Wesen, nicht nur „Seele“, sondern auch mit einer spirituellen Dimension ausgestattet. Der Schöpfer hat uns so gemacht, dass wir uns im Tiefsten danach sehnen, „mit ihm in Kontakt zu kommen und ihn zu finden“ (Apostelgeschichte 17,27). In uns bleibt ein spirituelles Vakuum, bis wir uns für Gott öffnen und erleben, wie seine Kraft uns füllt!

Im Raum der Kirche gehört er selbstverständlich dazu: Der Heilige Geist. Unsere Gottesdienste werden im Namen des dreieinigen Gottes eröffnet, der Glaube an Gottes Geist ist im christlichen Glaubensbekenntnis verankert. Aber wer ist er? Wie wirkt er? Und wie wird er persönlich erfahrbar? Viele Aussagen zu dieser Frage wirken in den Predigten vage. Weht er „überall und nirgends“? Die Sache mit dem Geist bleibt für weithin unkonkret. Zugleich meldet sich eine neue Sehnsucht nach Glaubenserfahrung zurück, auch in den Gemeinden: „Mehr Spiritualität bitte!“ Ohne die „Stromzufuhr von oben“ wird alles anstrengend: Wir müssen schieben. Wir sind auf unsere eigene Kraft zurückgeworfen. Ohne die lebendige Erfahrung der Geistesgegenwart …

  • sind wir allein mit unserem Bemühen, selbstlosere, liebevollere, „bessere“ Menschen zu sein
  • haben wir nur uns selbst, wenn wir uns anderen Menschen zuwenden und ihnen helfen wollen
  • müssen wir aus eigener Anstrengung Gemeinde bauen und für die Zukunft der Kirche sorgen
  • kann sogar unser Glaubensleben, Bibellesen und Gebet zum bloßen Pflichtprogramm werden

Pfingsten bietet den Schlüssel für eine geistliche Energiewende

Ich mache mir ernsthafte Gedanken, ob viele Gemeinden nicht stärker durch geistliche Kraftlosigkeit als durch schwindende Finanzen gefährdet sind. Kann es sein, dass unsere Kirche in eine Erschöpfungsdepression fällt, weil sie ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht wird? Weil sie für die Menschen da sein will, aber im Tiefsten nur noch sich selbst hat? Weil sie vage und unsicher geworden ist im Blick auf die spirituelle Sehnsucht der Menschen und von anderen „Anbietern“ längst überholt wird? Kirche als mahnende Stimme, als Anwältin für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit wird nur in dem Maß einflussreich sein, wie sie aus göttlichen Kraftquellen lebt.

Es ist höchste Zeit für eine geistliche Energiewende in unserer Kirche! Ansonsten droht ihr das Schicksal der Brautmädchen, denen der Nachschub an Öl fehlte und deren Lichter vor der Zeit ausgingen (Matthäus 25,1-13). „Wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, werdet ihr mit seiner Kraft ausgerüstet werden, und das wird euch dazu befähigen, meine Zeugen zu sein“ (Apostelgeschichte 1,8). Die Zusage Jesu gilt für die Glaubenden in jeder Generation. Wir müssen uns nur öffnen! Wir sollten beginnen mit der persönlichen täglichen „Verbindung nach oben“. Wir werden ausreichend Kraftzufuhr haben für alle unsere Aufgaben, sofern wir dem Geist Gottes in unserem Leben Raum geben. Wir sind nicht allein mit unseren eigenen Ressourcen: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“ (Sacharja 4,6).

Swen Schönheit | Pfingsten 2021

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