JAHRESLOSUNG | 2021

Jahreslosung 2021:

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

LUKAS 6,36

von Swen Schönheit

Hat uns das vergangene, „besondere“, verunsichernde, von Verzicht geprägte Jahr barmherziger gemacht? Mit welchen Gedanken gehen wir von 2020 nach 2021?

Das neue Jahr beginnt im Zeichen eines Verses aus der Bergpredigt. In der Version des Lukas enthält sie zwar nur einige der markanten Jesus-Worte, aber auch diesen Vers: „Seid barmherzig …“ Man kann ihn als typischen Imperativ hören nach dem Motto: Bemüht euch! Das würde gut in den theologischen Mainstream passen, der die „Nächstenliebe“ ins Zentrum des christlichen Glaubens rückt. Doch das Wort von Jesus ist beides, es ist Ansage und Auftrag zugleich:

„… wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Darum – weil Gott so ist! In unserem Leben soll es zu einer Entsprechung kommen. Unser menschliches Wesen soll sich immer mehr dem Wesen und Willen des Vaters angleichen. Weil Er voller Barmherzigkeit ist, sollen auch wir, darum können auch wir so werden!

Ja, so ist der Gott der Bibel: „barmherzig, geduldig und von großer Güte“ (Psalm 103,8)! So hat ihn Israel in seiner Geschichte erlebt. An diese Barmherzigkeit appellierte Mose, als sein Volk sich von Gott abwandte. Darauf hoffte David, als ihn sein Fehlverhalten an den Abgrund der Beziehung mit Gott brachte (4. Mose 14; Psalm 51). Schließlich malt uns Jesus den barmherzigen Vater vor Augen, der seine verlorenen Söhne und Töchter wieder in die Arme schließt (Lukas 15). Von Barmherzigkeit motiviert heilt Jesus die Kranken.

Wie passt Gottes Barmherzigkeit in diese Zeit? Zu Infektionen und Isolation, zu Einschränkungen und Einsam­keit, zu Schreckensbildern und zum Sterben? Man hat die Viruspandemie als Katastrophe bezeichnet, als Prüfung, als Weckruf an die Menschheit. Bei all dem fehlt der Faktor „Gott“ in der öffentlichen Diskussion. Doch könnte es sein, dass hinter dieser globalen Erschütterung genau diese größere Absicht steckt: Dass der Schöpfer unsere Aufmerksamkeit haben möchte? Dass er heilsame Korrekturen vornehmen möchte? Dass er tiefer unser menschliches Herz erreichen will, um es von Härte, Kälte und Selbstsucht zu befreien?

So höre ich die Jahreslosung 2021 nicht nur als Ansage oder Auftrag. Vielmehr ruft sie in mir einige Fragen hervor:

  1. Kann ich glauben, dass Gott barmherzig mit dieser Welt umgeht? Rechne ich über alle globalen Fragen hinaus damit, dass seine Barmherzigkeit in meinem Leben, trotz aller Belastungen und Herausforderungen, das letzte Wort spricht?
  2. Gehe ich mit mir selbst barmherzig um? Mit meiner Vergangenheit, meinen Begrenzungen und Ver­säumnissen? Glaube ich, dass Gott auch das zum Besten führt, was in meinem Leben zwar gut gemeint, aber nicht gut gemacht war?
  3. Wie barmherzig gehe ich mit anderen Menschen um? Meinen Liebsten, meinen Nächsten? Aber auch mit anderen Meinungen, auch mit herausfordernden Zeitgenossen?
  4. Lernen wir Barmherzigkeit gegenüber der Erde? Im Umgang mit der Schöpfung und ihren Ressourcen? Im Verhältnis zu den Ärmsten und Schwächsten, zu den Ausgebeuteten, Unterdrückten und Verfolgten?

Mehr Barmherzigkeit im neuen Jahr 2021! Das wäre doch ein wertvolles Resultat nach einem Jahr, das manche Härten mit sich brachte! Wenn unsere Herzen darüber weicher werden, wenn Gott sie tiefer erreicht, hat sich sogar diese vorerst letzte Krise gelohnt!

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr 2021!

Swen Schönheit

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

NEWSLETTER | Februar 2022

Kann man mit „Bekehrung“ Menschen locken? Im religiösen Sinn wohl kaum. Doch bezogen auf unseren Alltag geht es gar nicht anders. Wenn man sich mit dem Auto verfahren hat oder einen Abzweig verpasst, ist dies ärgerlich und kostet Zeit. So ist auch „Bekehrung“ im Sinn einer Neuausrichtung auf das Ziel hin keine Zumutung, sondern wirkt befreiend. Bekehrung – ist das noch ein Thema der Kirche?

NEWSLETTER | Dezember 2021

Von Gott getröstete Menschen können andere trösten. Unser Welt braucht in dieser Zeit so viel Trost. Auch in Ihrer Umgebung werden Sie das spüren. Mehr als alles andere brauchen wir die alte Weihnachtsbotschaft: „Christ, der Retter ist da!“ Es ist der Heilige Geist, durch den Gottes Trost unsere Herzen erreicht. Er ist „der Tröster“. Darum: Mehr Heiliger Geist zu Weihnachten!

NEWSLETTER | August 2021

Wenn das Kreuz zerlegt wird, verliert es seine Kraft. Wenn „die Botschaft vom Kreuz“ im Raum der Kirche verblasst, verliert auch die Kirche ihr Zentrum und reduziert sich selbst zu einer Agentur der Mitmenschlichkeit. Doch für alle, die das Kreuz als Ganzes nehmen, entfaltet es „Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ – heute genauso wie zurzeit des Neuen Testaments.

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.